
Kronen Zeitung
ZWEI JAHRE TEILBEDINGT
Kicker als Betrüger: „Kann mit Geld nicht umgehen“
Ex-Fußballprofi Stefan Stangl (33) zeigt sich in seinem Strafprozess reumütig geständig. Der frühere Nationalteamspieler soll seinen Opfern lukrative Investitionen oder den Verkauf teurer Uhren versprochen, das erhaltene Geld aber verspekuliert haben: 24 Monate teilbedingte Haft. Zukünftig will er „kleine Brötchen backen“.
Im Wiener Landesgericht verantwortete sich am Mittwoch Fußballprofi Stefan Stangl. Der Steirer war zu seiner Glanzzeit ins Nationalteam einberufen, spielte bei Sturm, Salzburg, Rapid und Austria.
Vor Richter Christian Gneist gibt er an, dass er nach seiner Sportkarriere viel Geld „investiert“ habe: „Ich hab Technologien erworben, durch die ich neue Kryptoeinnahmen erwerben konnte“, sagt er und ergänzt: „Ich habe alles wieder verspekuliert. Das muss ich ganz ehrlich sagen.“
Schneller Aufstieg, tiefer Fall
„Der Angeklagte ging nach seiner Profikarriere keiner geregelten Arbeit nach. Vielmehr entschied er sich, in Kryptowährungen zu investieren“, leitet die Staatsanwältin den Prozess um schweren gewerbsmäßigen Betrug und Veruntreuung ein. Als das Geld ausging, habe er sich frisches durch Betrugshandlungen geholt. Insgesamt soll er seine Opfer um rund 250.000 Euro gebracht haben.
Teure Uhren, Thermomix, ...
So gab er etwa vor, die teuren Uhren der Getäuschten zu verkaufen und ihnen die Erlöse zukommen zu lassen – was er nicht tat. Unter anderem wurde ihm eine Rolex im Wert von 43.000 Euro überlassen. Auch gab er wahrheitswidrig an, Uhren zu vertreiben. Die Käufer überwiesen viel Geld, sahen dafür nie Ware. Auch Betrug „in die andere Richtung“ ist angeklagt: So soll er einen Thermomix um 4000 Euro übernommen, aber nicht bezahlt haben.
„Ich habe von einem Tag auf den anderen wegen einer Verletzung aufgehört“, sagt er, dass er nicht damit fertig wurde, plötzlich drastisch weniger zu verdienen. „Ich bin gierig gewesen, wollte immer mehr und mehr.“
Kleine Tochter noch nie gesehen
Stangl ist seit sechs Monaten in U-Haft, er wurde am 27. Juli am Flughafen Düsseldorf (am Weg nach Dubai) verhaftet: „Ich war in sieben verschiedenen Gefängnissen. Ich will wieder zurück zu meiner Familie.“ Seine im Dezember geborene Tochter hat der Angeklagte noch nie gesehen. Auf seine Fußballkarriere blickt er kritisch zurück: „Ich war sehr schnell im Sonnenschein und dann in der Hölle. Beides will ich nicht mehr.“
„Mein Mandant hat in jungen Jahren sehr viel Geld verdient und konnte nicht damit umgehen, als dies nicht mehr so war“, unterstreicht sein Verteidiger Bernhard Lehofer.
Stangl bekennt sich zu allen 18 Fakten schuldig, nur manch Schadenshöhe sei nicht so hoch wie von den Opfern gefordert: „Ein Thermomix um 4000 Euro ist mir bei meiner Internetrecherche nicht untergekommen“, so Lehofer.
Prominente Opfer
„Ich hab im Fußball für österreichische Verhältnisse sehr gut verdient. Ich wollte, dass es so weitergeht“, sagt Stangl im Prozess. Zukünftig wolle er aber „kleinere Brötchen backen“. Die Geschädigten sind großteils frühere Fußballkollegen, auch sehr klingende Namen sind unter den Opfern. Das Urteil fällt kurz nach 12 Uhr: 24 Monate teilbedingte Haft, davon sechs Monate fest. Stangl wird somit am Montag aus der Haft entlassen. Seinen Opfern muss er rund 200.000 Euro Schadensersatz zahlen. Nicht rechtskräftig.
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